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Bierbrauerei in Vysočany

In der Straße Freyova befindet sich eine der alten Prager Bierbrauereien. Das theresiansche Grundbuch vom Jahr 1749 führt hier keine Brauerei an, setzen wir also voraus, das sie erst nach diesem Datum gegründet wurde. In einem älteren Dokument wird geschrieben, dass das Stiftungsgebäude mit der Bierbrauerei in Vysočany, mit der Konskriptionsnummer 1, später mit dem Tauschvertrag vom 1. Juni 1860 von dem Dominikaner Kloster des hl. Ägidius in Prag erworben wurde. Aus diesem Text geht hervor, dass die Bierbrauerei schon lange vordem existierte. Die Dominikaner betrieben die Bierbrauerei einerseits in ihrer Regie, andererseits vermieteten sie diese.

Im Jahr 1883 wurde die Bierbrauerei in Vysočany von dem Braumeister Karel Spurný gemietet, der hier ein Jahr später eine Tenne und eine Malzdarre, den Keller, Ställe und Wohnräume anbauen ließ. Im Jahr 1887 erhielt er die amtliche Genehmigung zum persönlichen Betreiben des Gasthausgewerbes im Haus Nr. 1 in Vysočany; nach zwei Jahren erhielt dieses Gasthaus die Genehmigung eine Bierdruckpumpe zu benutzen. Karel Spurný war bis zu seinem Tod am 23. Juli 1949 Inhaber der Gasthauskonzession. Er persönlich hat aber das Gaststättenwesen nicht betrieben, das Restaurant führte für ihn Antonín Houfek.

Am 20. Juni 1889 wurde im damaligen Handelsregister des k.k.Handelsgerichtes in Prag die Firma „Karel und Rudolf Spurný, Bierbrauerei in Vysočany bei Prag“ eingetragen. Geschäftsführer der Brauerei war der ältere Bruder Karel, der jüngere Rudolf leitete den Brauereibetrieb. Rudolf verstarb jedoch in verhältnismäßig jungem Alter. Einige Zeit war der Braumeister Karel Němota Gesellschafter der Bierbrauerei Vysočany, in den Jahren 1883-1885 nahm an der Seite Karel Spurnýs Albert Pilát die Position des Gesellschafters ein, der vermutlich die Rekonstruktion des Betriebes finanzierte.

Braumeister Karel Spurný war sowohl als tüchtiger Fachmann als auch dafür bekannt, dass er im Jahr 1896 zusammen mit Karel Němota das Patent für ein Kontrollgerät zum Messen der Bierwürze im Würzkessel anmeldete. Für dieses Patent interessierten sich nicht nur österreichische Behörden, sondern beispielsweise auch der bulgarische Staat. Braumeister Spurný war häufig Delegat und Vertreter bei verschiedenen Verhandlungen im Finanzministerium in Wien, die die Interessen der Bierbrauereien betrafen und vor allem die Interessen der kleinen Brauereien. Er schrieb auch zahlreiche Fachabhandlungen und Artikel, war Komiteemitglied der Vysočaner Sparkasse in Karlín und Mitglied der Bürgerlichen Sparkasse in Karlín.

Am 6. Mai 1908 erwarb Karel Spurný von den Dominikanern für damalige 180 000 Kronen die Bierbrauerei zusammen mit dem Garten, einer weiteren Parzelle und einem Teich und übernahm alles in eigene Regie. Die Bierbrauerei Vysočany war ursprünglich eine manuelle Brauerei, erst zur Zeit des Mieters Spurný wurde sie auf Dampf- und Maschinenantrieb eingerichtet. Die Siedekapazität betrug 50 hl.

Neben der Bierbrauerei befand sich ein großer, mit hoher Mauer umgebener Brauereigarten. In dem Garten war ein kleiner Teich, in den ein Arm des Flüsschens Rokytka mündete. Der Teich bot im Winter Eis, das problemlos direkt in die Brauereikühlschränke gelagert werden konnte, so dass das Kühlen sehr billig war. Ein Teil des Gartens war als englischer Park gestaltet, in einem weiteren Teil wurden viele schöne Nadelhölzer und Obstbäume gepflanzt; inmitten des Gartens standen ein großer sechseckiger Pavillon und ein gemauertes Gebäude, in dem seinerzeit Puppentheater gespielt wurde. Die Prager machten motorisierte Ausflüge hierher, es wurden sogar Sonderzüge eingesetzt und an Sonn- und Feiertagen standen vor dem Garten lange Reihen von Kutschen, die die Besucher herbei und wieder wegfuhren. In dem Garten wurden große Unterhaltungsaktionen veranstaltet und Bier in reichlichem Maß gezapft. Der ehemalige stellvertretende Braumeister der Brauerei Jaroslav Zajíček erzählte interessant über Karel Spurný und seinen Bruder Rudolf sowie über die Vergnügungen, die hier stattfanden. Er erinnerte sich auch an einen Tag, an dem das zu starke und berühmte dunkle 13-grädige Lagerbier die Ursache war für ein unseliges Ereignis: während einer Vergnügung des Metzger-Vereins „schleuderte einer der Metzger sein Glas mit solcher Kraft nach seinem Widersacher, dass dieser tot umfiel“. Herr Zajíček fügte noch hinzu, dass nie zuvor „das Publikum aus dem Garten so schnell verschwand wie nach diesem Vorfall.“ Der Garten hatte auch eine Veranda und einen Wintersaal, wo getanzt wurde.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges passierte es immer häufiger, dass so mancher Gastwirt Herrn Spurný für das gelieferte Bier schuldig blieb und die Konkurrenz seine Preise so niederdrückte, dass die Produktion unrentabel war. Außerdem wurden ihm die Pferde und Fuhrwerke beschlagnahmt. Karel Spurný entschloss sich aus diesen Gründen, die Produktion einzustellen. Das geschah am 1. Mai 1915.Danach beteiligte er sich an der Gründung der Bierbrauerei Braník und war bis zu seinem Ableben Mitglied des Verwaltungsrates. Nach dem Einstellen seiner Produktion lieferte er dann in die Gasthäuser der Bierbrauerei Vysočany Bier aus der Bierbrauerei Braník.

 

Der Ausstoß der Bierbrauerei Vysočany bewegte sich bei 4000 hl Bier pro Jahr, ein Rekordausstoß wurde in der Saison 1911-1912 verzeichnet, wo er 4973 hl erzielte. Während der Nachkriegsjahre verfiel die Bierbrauerei langsam und veränderte sich allmählich in eine Ruine. Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde ein Teil abgerissen und das Gebäude erfuhr Veränderungen. Es siedelten hier verschiedene Institutionen – eine Volkskunstschule, die Jugendorganisation Svazarm für Modellbauer und im Jahr 1968 diente es sogar als Unterkunftsobjekt für die Sowjetarmee.

Eine neue Hoffnung für dieses Areal brachte die „Samtrevolution“ im November 1989. Dank den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen erhielt die Bierbrauerei einen neuen Eigentümer, die Baufirma ZUKR. Diese baute sie teilweise in ein modernes Hotel und in Büroräume um, aber Jan Zupka, dem Inhaber der Firma ZUKR, ist es zu verdanken, dass der Umbau der Bierbrauereigebäude feinfühlig verlief. In den Interieurs wurden an mehreren Stellen die Deckenbalken bewahrt und über der Bierbrauerei dominiert der traditionelle Schornstein. Jan Zupka erwarb das Objekt aus nostalgischen Gründen, denn als Junge besuchte er hier in der Musikschule den Klavierunterricht und in dem Garten und dem Brauerei-Schwimmbad verbrachte er unvergessliche Augenblicke bei Spiel und Sport. Er erinnert sich gern an die Zeit, wo sich hier auch die Proberäume der Band Crazy Boys befanden, aus der sich später die heute bereits legendäre Gruppe Olympic entwickelte.

Während fast 21 Jahren ist der Firma ZUKR vieles gelungen. Das neue Restaurant Cortéz ist die Erfüllung der Vorstellungen über ein Restaurant, in dem sich die Gäste wirklich willkommen fühlen. Es ist ein Ort mit angenehmer Atmosphäre, freundlichem und entgegenkommendem Personal und kulinarischen Erlebnissen, deretwegen sie gern wiederkommen. Das Restaurant bietet an Wochentagen stets zwischen 11 – 15 Uhr ein Mittagsmenü, aus dem die Gäste auswählen können zwischen zwei Suppen und sechs Hauptgerichten. Auf der üblichen Speisekarte werden Salate, Vorspeisen, in den letzten Jahren die so beliebten Teigwarengerichte, selbstverständlich mehrere Steakarten, Fleisch vom Grill und Spezialitäten des Chefkochs angeboten. Außer den üblichen Biersorten stehen hier Weine im Angebot, hauptsächlich aus guten böhmischen und mährischen Weinkellern. Das alles untermalt von einem schönen Milieu in den feinfühlig rekonstruierten Räumlichkeiten. Die Besucher können hier auch bewahrtes altes Gemäuer aus heute schön behandeltem Plänerstein sehen. Übrigens, der Plänerstein war in den vergangenen Jahrhunderten ein sehr beliebtes Baumaterial, das heute wieder seine Renaissance erfährt. Es strahlt immer Wärme aus und vermittelt den Zauber alter Zeiten. Die behagliche familiäre Atmosphäre betont noch der neu errichtete Kamin. Das Restaurant Cotéz ist täglich von 11 bis 23 Uhr geöffnet und die Gäste begrüßt stets gern der Mitinhaber und Chefkoch Jiří Havel oder Jiří Vomela. Die Räumlichkeiten eignen sich ebenfalls für festliches Beisammensein anlässlich Hochzeiten, Promotionen und anderer gesellschaftlicher Aktionen.

Außer dem Restaurant Cortéz steht im hinteren Teil des Areals den Gästen auch ein ursprüngliches, neu rekonstruiertes Restaurant zur Verfügung. Zu diesem gehört ein großer Sommergarten mit mächtigen Kastanienbäumen, die im Sommer zum Verweilen in angenehm kühlem Milieu locken, eventuell bei schäumendem Getränk.

Gegenwärtig (2013) werden die Bauarbeiten für eine neue Rezeption und einen Speisesaal beendet, fertiggestellt wird ebenfalls das 2. Stockwerk mit weiteren 23 Zimmern. Im Jahr 2014 soll das letzte Stockwerk vollendet werden, in dem dann den Gästen 12 Luxusappartements zur Verfügung stehen. In den weiteren Jahren ist die Reparatur des externen Parkplatzes, der Fassade am alten Gebäude und die Umweltgestaltung um das ganze Areal vorgesehen.